Warum ein steifer Reiter sein Pferd blockiert – und was wir ändern können

„Der Blinde ist der König unter den Einäugigen?“

Reiter und Pferd bilden eine Einheit. Und doch erwarten wir häufig, dass unser Pferd losgelassener, beweglicher und durchlässiger wird – während wir selbst körperlich deutlich steifer sind als unser Partner Pferd.

 

Die Faszientherapie für Pferd und Reiter setzt genau hier an: nicht beim einzelnen Symptom, sondern beim gesamten System Mensch–Pferd.

 

Pferd und Reiter – eine funktionelle Einheit

Wir können von unseren Pferden oft mehr über natürliche, entspannte Bewegung lernen als sie von uns.

Oder anders gesagt: Es hilft wenig, nur den „Splitter im Auge des Pferdes“ zu sehen, wenn wir den Balken in unserem eigenen Körper übersehen.

 

Wenn wir unserem Pferd eine Faszientherapie ermöglichen, ist es nur konsequent, uns selbst mit einzubeziehen. Denn ein entspannter Reiter bedeutet automatisch mehr Bewegungsfreiheit für das Pferd.

 

Pferde sind von Natur aus beweglicher als wir Menschen

Pferde haben – genau wie wir – eine bevorzugte Seite. Beim Longieren sieht man häufig, dass es dem Pferd auf einer Hand leichter fällt, sich zu dehnen und zu biegen als auf der anderen.

 

Entscheidend ist dabei meist nicht die innere, sondern die loslassende Fähigkeit der äußeren Körperseite. Probleme beim Stellen, beim Biegen oder bei Übergängen sind oft Ausdruck tiefer faszialer Spannungen - und dies obwohl Pferde viel feiner reagieren als wir. 

 

Hier kann eine gezielte Faszientherapie für das Pferd sichtbar mehr Durchlässigkeit schaffen.

 

Ein einfacher Test: Wie losgelassen ist dein Pferd wirklich?

Stelle dich ruhig neben dein Pferd und lege eine Hand sanft auf den Nasenrücken, oberhalb der Trense. Warte, bis das Pferd den Kopf senkt, und beginne dann mit minimalen, ruhigen Pendelbewegungen.

 

Wenn du auf das Kreuzbein achtest, wirst du sehen:

Die Bewegung läuft wie eine Welle durch die gesamte Wirbelsäule bis ins Becken.

 

Erstaunlich ist dabei nicht nur, wie wenig Kraft nötig ist, sondern auch, wie selbstverständlich Pferde diese Schwingung zulassen. Diese tiefe Losgelassenheit ist für Pferde normal – für uns Menschen meist nicht mehr.

 

Was wir Reiter von unserem Pferd lernen können

Lege einem Menschen die Hand auf die Schulter und bewege ihn sanft hin und her – die meisten halten sich fest, machen einen Schritt oder verlieren das Gleichgewicht.

 

Eine frei schwingende Wirbelsäule ist für viele Erwachsene ungewohnt. Ursache ist meist Bewegungsmangel und langes Sitzen.

 

Besonders deutlich wird das im Becken:

Viele Menschen können es kaum noch locker kreisen lassen – ein klares Zeichen für fasziale Einschränkungen.

 

Der Hüftbeuger – Schlüsselstelle für den Reiter

Der Hüftbeuger - auch Psoas genannt - ist entscheidend für die Hüftbeweglichkeit

Der Psoas-Iliacus, unser zentraler Hüftbeuger, ist für Reiter von enormer Bedeutung.

Durch langes Sitzen ist er bei den meisten Menschen verkürzt und unbeweglich.

 

Beim Reiten verhindert das:

• freies Mitschwingen des Beckens

• unabhängige Hilfengebung

• feines Folgen der Bewegung

 

Beim Pferd bringt der Hüftbeuger die Hinterhand nach vorne – beim Reiter entscheidet er darüber, ob wir diesen Schwung unterstützen oder blockieren. Oft bekomme ich nach der Behandlung des Psoas von Reitern Kommentare wie diesen: "Ich konnte heute im Galopp viel besser sitzen! 🥰 Liebe Grüsse, S.".

 

Wie Reitersteifheit direkt auf das Pferd wirkt

Unsere eigenen Spannungen nehmen wir oft nicht mehr wahr – sie sind „normal“ geworden.

 

Ein einfacher Selbstversuch im Sattel zeigt die Wirkung sofort:

Spanne bewusst Bauch, Adduktoren oder sogar nur den Kiefer an – und beobachte, wie sich das Gangbild des Pferdes augenblicklich verändert.

 

Lässt du die Spannung los, wird auch das Pferd wieder freier.

So direkt überträgt sich unser Zustand auf das Tier.

 

Warum Faszientherapie für Pferd und Reiter zusammengehört

Eine nachhaltige Verbesserung der Bewegungsqualität gelingt nur dann, wenn Pferd und Reiter gemeinsam betrachtet werden.

 

Es gibt viele Fälle, in denen die körperlichen Probleme des Pferdes mitverursacht werden durch die Steifheit des Reiters. In solchen Situationen wirkt nur eine parallele Faszientherapie für Pferd und Reiter langfristig.

 

Was Faszientherapie bewirkt

Faszientherapie ist eine der effektivsten Methoden, um tiefe Spannungen im Bindegewebe zu lösen.

Beim Menschen wird meist mit Sitzungsserien von drei oder acht Sitzungen gearbeitet, in denen durch sanfte, gezielte Dehnimpulse Bewegungsfreiheit zurückkehrt.

 

Nach einer Sitzung fühlen sich viele:

• leichter

• aufrechter

• beweglicher

• feiner im Sattel

 

Beim Pferd reicht in der Regel ein Zyklus von sechs Sitzungen aus. Diese sind ganz genau auf das Nervensystem des Pferdes abgestimmt und schaffen die Voraussetzungen für ein gelöstes und gut koordiniertes Bewegen. 

 

Wichtig für Reiter: 

Faszientherapie ist nicht Faszien-Training. Reiten selbst ist bereits ein hervorragendes Training – Therapie schafft die Voraussetzung dafür. Die neue Sau im Dorf, das Faszientraining, dürfen Reiter gerne ignorieren. 

 

Gemeinsam neue Bewegungsräume entdecken

Ideal ist es, wenn Pferd und Reiter zeitgleich eine Faszientherapie erhalten. So können sich beide gemeinsam entwickeln und neue Freiheiten erkunden.

 

Die Faszientherapie für Pferd und Reiter ist kein Luxus – sie ist eine logische Konsequenz, wenn wir echte Losgelassenheit, Gesundheit und Partnerschaft anstreben.

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