Faszienbehandlung Pferd: 7 bewährte Tipps für eine wirksame und pferdegerechte Arbeit

Wenn du selbst die Faszienbehandlung bei deinem Pferd durchführen möchtest, brauchst du keine komplizierten Geräte – sondern Aufmerksamkeit, Geduld und ein gutes Gefühl für dein Pferd.

In diesem Artikel teile ich mit dir 7 zentrale Grundregeln, die sich in meiner praktischen Arbeit immer wieder bewährt haben und die den Unterschied zwischen „Machen am Pferd“ und echter, wirksamer Faszienarbeit ausmachen.

 

Peter Scholten behandelt den Rist eines Pferdes

1. Schaffe eine reizarme Umgebung

Faszienbehandlung beim Pferd findet nicht am Pferd, sondern mit dem Pferd statt. Sie ist ein Dialog – genauer gesagt ein Dialog zweier Nervensysteme.

 

Damit dieser Dialog gelingen kann, braucht es eine ruhige, vertraute Umgebung. Ich arbeite am liebsten frühmorgens allein in der Reithalle.

Keine anderen Pferde, kein Futter, keine Ablenkung. Selbst meinen Rucksack lege ich weit weg, damit nichts die Aufmerksamkeit stört.

 

Bevor du beginnst, beobachte dein Pferd. Ist es wirklich bei dir? Je besser ihr euch „zuhören“ könnt, desto erfolgreicher wird die Faszienbehandlung.

 

2. Löse dich vom Heilen-Wollen

Natürlich wünschen wir uns, dass sich unser Pferd besser bewegt:

mehr Losgelassenheit, mehr Schwung, weniger Einschränkungen.

 

Doch gerade bei der Faszienbehandlung des Pferdes ist es wichtig, dich von festen Erwartungen zu lösen. Fast jedes Pferd bringt Themen mit – mangelndes Untertreten, einseitige Biegung, Spannungen im Rücken.

 

👉 Behandle immer das ganze Pferd (über mehrere Sitzungen hinweg) und bleib offen für das, was sich zeigt.

Nicht dein Plan entscheidet – sondern das Pferd.

 

3. Achte auf deine eigene Körperhaltung

Deine Körperhaltung ist ein entscheidender Teil der Faszienarbeit. Für die Arbeit mit dem Pferd, muss sich ein Spannungsbogen zwischen dem Pferd um dem Therapeut:in bilden.

Ein verspannter Mensch mit Rundrücken oder instabiler Basis kann keine feine, lösende Arbeit leisten.

 

Gute Haltung bedeutet:

• Stabilität aus Beinen und Körpermitte

• freie, entspannte Arme

• keine Kraft aus Händen oder Schultern

 

Merke dir: Immer wenn du Kraft brauchst, läuft etwas falsch.

Feine Faszienbehandlung entsteht aus Balance – nicht aus Druck.

 

4. Höre zu, sieh zu – und fühle, was passiert

Bei einer gelungenen Faszienbehandlung erkennst du schnell Veränderungen:

• weiche Augen

• ruhige Atmung

• Kauen, Abschlecken

• ein deutliches „Sich-anlehnen“ ins Gewebe

 

Der wichtigste Austausch findet jedoch über deine Hände statt.

Du spürst Atemrhythmus, Gewebeantworten, das berühmte „Schmelzen“ der Faszien.

 

⚠️ Ein wichtiger Hinweis zu Hilfsmitteln:

Rundhölzer, Zahnräder oder ähnliche Geräte verhindern genau dieses Fühlen. Sie machen aus einem Dialog ein mechanisches Bearbeiten – mit erhöhtem Verletzungsrisiko.

 

Die gute Nachricht: Du brauchst kein Werkzeug.

Deine Hände sind das sensibelste Instrument, das es gibt.

 

5. Gib deinem Pferd Raum für Releases

Typische Release-Reaktionen bei der Faszienbehandlung des Pferdes sind:

• Kauen und Schlecken

• Seufzen

• Scharren

• Wälzen

 

Wenn das passiert: Pause machen.

Tritt einen Schritt zurück und gib deinem Pferd Raum. Diese Momente sind wertvoll – hier verarbeitet das Nervensystem den gesetzten Reiz.

 

Manche Pferde zeigen Releases erst, wenn sie sich unbeobachtet fühlen. Auch das gehört zum respektvollen Umgang.

 

6. Lass dein Pferd das Tempo vorgeben

Du darfst mit einer Idee in die Sitzung gehen – aber dein Pferd entscheidet, wie lange gearbeitet wird.

 

Wenn dein Pferd:

• unruhig wird

• die Aufmerksamkeit verliert

• oder das Gewebe nicht mehr reagiert

 

… dann ist es Zeit aufzuhören.

Das Nervensystem hat genug Input erhalten. Mehr wäre kontraproduktiv.

 

Eine gute Faszienbehandlung endet immer im richtigen Moment, nicht erst, wenn dein Plan erfüllt ist.

 

7. Gönne deinem Pferd nach der Behandlung eine Pause

Auch wenn die Arbeit ruhig und unscheinbar wirkt:

Die Faszienbehandlung beim Pferd setzt tiefgreifende Prozesse in Gang.

 

Plane daher bis zu zwei Tage Reitpause ein. 

Leichte Bewegung ist in Ordnung, aber beobachte dein Pferd genau. Vorübergehende Steifheit ist kein Rückschritt, sondern Teil der Verarbeitung.

Es kann aber auch ganz anders kommen und dein Pferd bietet Dir viel an - ist körperlich und geistig befreit. Dann nimm den Vorschlag gerne an - und los geht's!

 

Beobachte, lerne und entwickle dein Gefühl weiter

Schau dein Pferd vor und nach jeder Sitzung bewusst an:

• Wie verändert sich seine Bewegung?

• Wie sein Verhalten?

• Was hat gut funktioniert?

 

Arbeite gesamtheitlich, verbessere deine eigene Körperhaltung und dein Feingefühl von Sitzung zu Sitzung.

 

Wer so arbeitet, wird nicht nur besser in der Faszienbehandlung beim Pferd, sondern vertieft auch die Partnerschaft – mit Freude, Respekt und nachhaltigem Erfolg.

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